
Wie entsteht sexuelle Erregung bei dir?
Hast du dich schon einmal genau beobachtet? Was führt bei dir zu sexueller Erregung? Nimm dir gern einen Moment Zeit dafür. Eine allgemeine Antwort möchte ich dir nicht geben, denn nur du kennst deine eigene. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass auch du deine Fantasie benutzt, um erregt zu werden.
Mit Fantasie zum Höhepunkt
Diese Fantasie ist oft angereichert mit Bildern aus Pornos oder aus Filmen, die dich geprägt haben. Vielleicht hast du sie schon das eine oder andere Mal benutzt, um deine Erregung zu steigern.
Vielleicht hast du dabei den Menschen, mit dem du gerade zusammen warst, in Gedanken durch jemand anderen ersetzt. Oder die Kulisse verändert, die Zahl der Beteiligten, die ganze Handlung. Solche Fantasien helfen, die Erregung zu halten und das Ziel, den Orgasmus, zu erreichen.
Kennst du das? Ich kenne es gut, und ich habe lange so gelebt.
Mit Schauspiel zum Höhepunkt
Wie stimulierst du dich noch? Pornos, Kino und Medien haben ein bestimmtes Bild von gutem Sex geprägt. Vielleicht hast du dich schon dabei ertappt, wie du dieses Bild inszenierst: hier ein Räkeln, dort ein Stöhnen, alles heiß und wild, manchmal mit Alkohol, um lockerer zu werden.
Erregung über den Kopf statt über den Körper
Frag dich einmal: Wie geht es dabei deinem Körper? Wird er wirklich abgeholt, oder wird er für die Erregung gar nicht richtig gebraucht? Für mich kann ich das klar beantworten. Bis zu meinem dreiunddreißigsten Lebensjahr war ich eine sehr gute Schauspielerin. Ich habe fantastischen Sex inszeniert. Mein Verstand, meine Erwartungen an mich und die Erwartungen anderer wurden befriedigt. Für meinen Körper aber war es nichts als Schall und Rauch.
Die Flucht vom Körper in den Kopf hat scheinbar auch Vorteile. Viele finden sich zum Beispiel nicht attraktiv genug. Wer sich in seinem Körper unwohl fühlt, kann Berührung schwer genießen. Die Muskulatur bleibt angespannt, und Berührung kommt kaum an. Wie du lernen kannst, Berührung zu genießen, beschreibe ich in Bewusste sinnliche Berührung: so geht’s.
Wenn Sexualität den Körper verliert
Wenn Sexualität vor allem im Kopf stattfindet, bleiben viele Fantasien unerfüllt, und die Befriedigung nimmt eher ab. Es braucht immer stärkere Reize, um die gewohnten Ziele zu erreichen. Erektionsprobleme, enge Erregungsmuster, Unlust oder eine diffuse Unzufriedenheit können damit zusammenhängen.
„Schneller, härter, wilder, mehr“ führt viele in eine Sackgasse. In Beziehungen versiegt die gemeinsame Sinnlichkeit dann oft schnell, und manche suchen sie außerhalb.
Erregung über den Körper
Wäre es nicht schön, wenn Berührung, Sinnlichkeit, Intimität und Körperlichkeit schon für sich erfüllend wären? Ob mit deinem langjährigen Partner, deiner Partnerin oder einem neuen Date. Wenn du wüsstest, was dich sexuell satt macht, und es auch aussprechen könntest?
Der Körper ist unser Resonanzraum für Genuss und Ekstase, aber die wenigsten von uns haben gelernt, ihn wirklich zu verstehen. Sein Wahrnehmungsspektrum ist unglaublich groß. Wenn du lernst, genau hinzuspüren, liebevoll mit deinem Körper umzugehen und anders über ihn zu denken, öffnest du einen Raum, in dem sich deine sinnlichen Wünsche entfalten können.
Wie du Erregung über den Körper lernen kannst, beschreibe ich in Sex lernen.

Geschrieben von
Maria Kehr
Conscious Sexuality Coach in München. Ich arbeite mit Sexological Bodywork, Somatic Experiencing und Tantra und unterrichte in der Weiterbildung Sexualberatung am spt-Institut und an der TU München.
Sexualcoaching
Vom Kopf in den Körper.
Im Sexualcoaching begleite ich dich dabei, Erregung und Genuss über den Körper zu entdecken. Allein oder als Paar, in München oder online.
