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Lust und Orgasmus · 5 Minuten Lesezeit

Sex lernen

Guter Sex ist kein Talent. Wie du deine Sexualität mit Übung und Achtsamkeit weiterentwickeln kannst.

Maria Kehr am Fenster

Kannst du Sex lernen? Na klar. Wie jede andere Fähigkeit im Leben kannst du auch deine Sexualität verfeinern. Mit einer erotischen Praxis kannst du üben und erspüren, wie reich deine sinnlichen Körperempfindungen eigentlich sind.

Du kannst entscheiden, wie du unterwegs sein möchtest: Du lebst deine Sexualität so, wie sie dir mitgegeben wurde, mit etwas Wissen und Wiederholung. Oder du entwickelst sie bewusst weiter. Dafür brauchst du das richtige Wissen, etwas Übung und die Bereitschaft, begrenzende Überzeugungen loszulassen.

Ich habe mich irgendwann in meinem Leben entschieden, Sex zu lernen. Ich konnte mir eingestehen, dass mir eine wirklich erfüllte Sexualität nicht in die Wiege gelegt worden war.

Oder vielleicht doch? Als junges Mädchen wusste ich genau, was ich mir wünsche. Als meine Sexualität erwachte, war mein Körper von Natur aus sinnlich, verspielt und ekstatisch. Was auf dem Weg ins Erwachsensein geschah, veränderte diese ursprüngliche Wahrnehmung grundlegend.

Wir leben in einer sexualisierten Gesellschaft, und doch ist unsere Sexualität nur scheinbar frei. Vielleicht nicht in dem, was wir tun, aber in dem, was wir dabei innerlich erleben. Wie arm oder reich ist dein Erleben dabei, auf einer Skala von 1 bis 10? Ich meine nicht die Bilder in deinem Kopf, sondern das, was du im ganzen Körper wahrnimmst.

Ich glaube, dass viele von uns sinnlich ziemlich ahnungslos sind. Natürlich gibt es Naturtalente, an denen Religion, Eltern und Medien spurlos vorübergegangen sind. Nach meiner Erfahrung sind es aber wenige.

Warum es sich lohnt, Sex zu lernen

Wenn ich privat erzähle, wie viel sich in der Sexualität entwickeln lässt, höre ich oft Sätze wie: „Sexualität kann man nicht lernen, das ist etwas Natürliches.“ „Guter Sex passiert mit dem richtigen Menschen von allein.“ „Ich will nicht auch noch meine Sexualität optimieren.“ Oder: „Sexualität wird überschätzt, ich brauche das nicht mehr.“

Ich selbst hatte meine Sexualität irgendwann schon fast aufgegeben, bevor sie je wirklich erfüllend geworden war. Die Fantasien blieben, aber satt fühlte ich mich nicht. Wie auch? Wir Menschen brauchen Berührung, Liebe und Verschmelzung. Wir sind sinnliche Wesen und wünschen uns, dass unser Körper und unsere Sinne wirklich zum Zug kommen. Wir haben nur nie gelernt, das in unsere Sexualität hineinzunehmen.

Ohne Übung keine Meisterschaft. Das gilt auch für die Sexualität.

Jeder kann damit beginnen, alte Denkmuster über Sexualität durch neue zu ersetzen. Jeder kann seine Körperwahrnehmung verfeinern. Jeder kann lernen, die eigenen Wünsche auszusprechen und zu leben, zu verstehen, was wirklich erfüllt, und wieder zu berühren.

Es ist nicht leicht, einen ganz natürlichen Bezug zum eigenen Körper und zur Sexualität zu entwickeln. Selbst wenn du es dir sehr wünschst, fehlen oft gute Quellen, Vorbilder und Informationen. Wir kommen mit allem auf die Welt, was wir brauchen, und trotzdem üben wir monatelang laufen und jahrelang sprechen. Für das Üben von Sexualität gibt es in unserer Gesellschaft dagegen kaum Raum. Mit einer erotischen Praxis kannst du dir diesen Raum zurückholen.

Sex lernen über den Körper

Wie tief du deinen Körper erlebst, hängt davon ab, wie fein du empfinden kannst. Du kannst lernen, dich besser zu spüren, tief zu berühren, dich ganz hinzugeben und deinen Orgasmus zu vertiefen.

Eine sinnliche Praxis wirkt stärker als Gespräche, Vorträge oder Bücher, weil du das Neue direkt im Körper erfährst. Achtsame, körperorientierte Übungen machen es möglich, Sex zu lernen, allein, mit einer Übungspartnerin oder einem Übungspartner oder mit Begleitung. Du musst dafür nicht Sex haben. Das ist für viele schwer vorstellbar, aber es hilft sogar.

Sexuell mit einem Gegenüber zu sein, ist sehr komplex. Beziehungsthemen, eingespielte Rituale und aufgestaute Gefühle machen es schwer, sich auf das Lernen zu konzentrieren. Die Aufmerksamkeit wandert immer wieder zu den Konflikten, und Paare kommen nur mühsam voran. Wenn du allein oder mit Begleitung übst, kann deine ganze Aufmerksamkeit beim Lernen sein.

Wenn du deinen Körper kennenlernen möchtest, hilft dir Achtsamkeit, die Aufmerksamkeit in den Körper zu lenken und dort zu halten. So werden deine Empfindungen reicher. Zu dieser Praxis gehören besondere Formen von Yoga und Meditation, achtsame Selbstliebe und sinnliche Berührung. Mehr dazu in Kopf oder Körper: Womit hast du Sex? und Conscious Touch Meditation.

Maria Kehr

Geschrieben von

Maria Kehr

Conscious Sexuality Coach in München. Ich arbeite mit Sexological Bodywork, Somatic Experiencing und Tantra und unterrichte in der Weiterbildung Sexualberatung am spt-Institut und an der TU München.

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