Sex lernen oder sinnlich ahnungslos bleiben?

Mit einer erotischen Praxis geben wir uns die Möglichkeit zu üben und zu erspüren, wie reichhaltig unsere Körperempfindung und unsere Sexualität eigentlich ist.

Ich habe Sex gelernt, denn eine erfüllte Sexualität wurde mir leider nicht in die Wiege gelegt.

Oder vielleicht doch? Als junges Mädchen, wusste ich genau was ich mir wünsche. Als meine Sexualität gerade erwachte, war mein Körper von Natur aus ekstatisch, sinnlich und verspielt. Aber was auf dem Weg des Erwachsenwerdens passierte, veränderte diese reine Körperwahrnehmung radikal.

Wir leben in einer sexualisierten Gesellschaft, dennoch ist Sexualität nur vermeintlich frei und ungehemmt. Ich würde sogar behaupten, dass wir in Wirklichkeit, eine Gesellschaft von sinnlich Ahnungslosen sind. Natürlich ist der ein oder andere ein Naturtalent. Oder die Einflüsse von Religion, Eltern und Medien sind spurlos an ihm vorübergegangen. Aber davon gibt es wenige, wie meine Erfahrung zeigt.

Weshalb solltest du Sex lernen?

Wenn ich von den reichhaltigen Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich Sexualität erzähle, bekomme ich sehr häufig interessante Antworten: „Sexualität kann man nicht lernen. Es ist etwas Natürliches“. „Guter Sex passiert automatisch, wenn man den richtigen Partner dazu hat“. „Ich möchte nicht auch noch den Bereich Sexualität optimieren“. „Sexualität ist überbewertet. Ich hatte schon genug Sex in meinem Leben, ich brauche das nicht mehr“.

Ich persönlich hatte auch einen Punkt erreicht, an dem ich meine Sexualität aufgegeben hatte. Das war leider zu einem Zeitpunkt ,bevor meine Sexualität jemals angefangen hatte WIRKLICH gut zu sein. Trotzdem blieben natürlich die Fantasien zurück und fühlte ich mich nicht erfüllt. Wie auch? Der Mensch benötigt Berührung, Liebe und Verschmelzung. Er wünscht sich, dass seine Sinne bespielt werden. Denn wir sind sinnliche Geschöpfe, und wünschen uns sinnlich zu leben. Wir haben nur nie gelernt, die essentiellen Bestandteile in unsere Sexualität mit aufzunehmen, so dass wir davon satt werden und erfüllt sind.

Und ja, jeder sollte Sex lernen und studieren. Vor allem kann jeder zunächst damit beginnen, die unbrauchbaren Denkmuster und Konditionierungen über Sexualität auszutauschen. Jeder kann seine Körperwahrnehmung schärfen und intensivieren. Jeder kann lernen seine intimsten Wünsche auszusprechen und zu leben. Und jeder sollte verstehen, was wirklich sinnlich erfüllt.

Ist es möglich Sex zu lernen?

In unserer Gesellschaft ist es schwer, einen komplett natürlichen Bezug zu deinem Körper und zu deiner Sexualität zu entwickeln oder behalten. Selbst wenn du es dringlichst wünscht und versucht, fehlen häufig die richtigen Quellen, Vorbilder und Informationen. Wenn wir geboren werden, tragen wir alles, was wir zum Leben brauchen in uns.

Trotzdem üben wir viele Monate zu Laufen, wir üben viele Jahre zu Sprechen, wir üben Jahrzehnte lang logisch zu Denken. In unserer Gesellschaft ist jedoch wenig Akzeptanz und Raum für das Lernen und Üben von Sexualität. Mit einer erotischen Praxis können wir uns diesen Raum zurückerobern und uns die Möglichkeit geben zu Üben und zu Erspüren, wie reichhaltig unsere Körperempfindung und unsere Sexualität eigentlich ist. Hier gilt, wie bei den meisten Dingen: Ohne Übung kein Meister.

Wie genau kannst du Sex lernen?

Achtsam ausgeführte erotische Übungen, machen es möglich Sex zu lernen. Erotische Praxis bewirkt intensive Lernerfahrungen über den eigenen Körper. Was eine stärkere Wirkkraft als Vorträge oder Bücher haben kann. Der Praktizierende entwickelt und erweitert während der Praxis seine erotischen Fähigkeiten.

Als erstes muss ein Schüler begreifen, dass die Tiefe der Erfahrung seines eigenen Körpers mit der Qualität seiner sexuellen Empfindungen zusammenhängt.

Die Intension den eigenen Körper kennenlernen zu wollen, in Kombination mit  Achtsamkeitspraxis, macht es möglich durch Üben und somatisches Lernen, Aufmerksamkeit in den Körper zu bekommen und auch dort zu halten. Dadurch werden die Körperempfindungen reichhaltiger und der sexuelle Genuss größer. Zur Achtsamkeitspraxis in Bezug auf das Lernen von Sexualität gehören spezielle Formen des Yoga, der Meditation, der achtsamen Masturbation und der sinnlichen Berührung.

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