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Slow Sex und Tantra · 5 Minuten Lesezeit
Was ist Slow Sex?
Orgasmus, Intimität und Nähe: worauf es beim Slow Sex ankommt und wie er funktioniert.

Was ist Slow Sex?
Slow Sex ist ein tantrisch inspirierter Weg, Sexualität zu leben, wie ihn vor allem Diana Richardson bekannt gemacht hat. Im Mittelpunkt stehen Intimität und Nähe, nicht der Orgasmus. Gewohnter Sex ist meist auf den Höhepunkt ausgerichtet und erzeugt dadurch oft Leistungsdruck und Stress. Slow Sex lädt dich ein, stattdessen ganz im Erleben zu sein.
Ist Slow Sex langweilig?
Der Name verrät schon viel: Wie bei Slow Food geht es um Qualität statt Tempo. Beim Slow Sex ist tatsächlich alles langsamer, und das aus gutem Grund. In der Langsamkeit können sich festgefahrene Muster, Anspannung und Scham lösen. Der Körper bekommt Zeit, sich zu öffnen. Beim schnellen, gewohnten Sex ist dafür oft kein Raum.
Viele von uns kennen ihre eigenen Bedürfnisse kaum. Wir spielen nach, was wir aus Filmen, Serien oder Pornos kennen, und haben es so lange eingeübt, dass es uns normal vorkommt.
Was verändert Slow Sex?
Es geht darum, deine innere Haltung beim Sex zu verändern. Was passiert, spürst du bewusster und dadurch intensiver, auch wenn der gewohnte, entladende Orgasmus erst einmal ausbleibt. Weil die Begegnung langsamer wird, kann sich die Wahrnehmung deines Körpers entfalten. Das Erleben wird reicher und lustvoller.
Keinen Orgasmus anzustreben und alles langsam zu tun, klingt für viele zunächst wenig verlockend. Manche sorgen sich auch, ob die Erektion bleibt. Genau diesen Druck darfst du nach und nach loslassen.
Wenn du experimentierst und auch zulässt, dass es sich zwischendurch ungewohnt oder langweilig anfühlt, öffnet sich oft eine ganz neue Welt. Wie bei Yoga oder Meditation gilt: Verstehen kommt durch Erfahrung. Wie es mir selbst damit ergangen ist, erzähle ich in Slow Sex: ein Erfahrungsbericht.
Gibt es beim Slow Sex keinen Höhepunkt?
Der Höhepunkt ist beim Slow Sex nicht das Ziel. Er darf kommen, aber er ist nicht entscheidend. Es geht darum, dich besser zu spüren, ohne Leistungsdruck, absichtslos und spielerisch. Deshalb könnt ihr euer Liebesspiel jederzeit beenden, ohne dass etwas fehlt, denn jeder Moment war schon erfüllt. Mit etwas Übung zeigt sich der Orgasmus oft auf eine neue, tiefere Weise.
Was ist anders als beim gewohnten Sex?
Diana Richardson und die tantrische Tradition unterscheiden zwischen heißem und kühlem Sex. Heißer Sex ist wild und schnell, mit entladenden Orgasmen, und hat seine Berechtigung. Slow Sex ist kühl: Dein Herz schlägt ruhig, dein Atem ist langsam, du bist tief mit dir und deinen Empfindungen verbunden. Dein ganzer Körper ist auf Spüren, Öffnung und Hingabe ausgerichtet.
Slow Sex macht dir bewusst, was du da eigentlich tust. Wenn du das einmal erfahren hast, kannst du jede Spielart leben, nur deine innere Haltung ist eine andere: selbstbestimmt und frei. Das ewig gleiche Vorspiel und das Hinarbeiten auf den Orgasmus dürfen hinter dir bleiben.
Wie funktioniert Slow Sex?
Nähe und Intimität zu teilen ist wichtiger, als einen Orgasmus zu erreichen. Es braucht sehr wenig, und je weniger ihr tut, desto intensiver kann es werden. Mechanische Handgriffe und erotisches Schauspiel dürft ihr weglassen. Es geht um das Sein im Moment.
Wir sind so an Leistung gewöhnt, dass wir uns kaum vorstellen können, dass sexuelle Energie gerade dann fließt, wenn wir nichts tun. Am Anfang entsteht dabei oft wenig Erregung, weil der Körper noch angespannt ist. Mit der Zeit, wenn die Anspannung nachlässt und die Wahrnehmung feiner wird, können sich tiefere Zustände einstellen. Mehr dazu in Der unverstandene Orgasmus.
Was passiert im Körper?
Slow Sex kann die Bindung zu deinem Gegenüber vertiefen. Nähe und zärtliche Berührung fördern die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin. Statt auf das Feuerwerk des Orgasmus zu warten, bleibt ihr entspannt und erlebt die körperliche Nähe intensiver.
Zum Ausprobieren
Lass dir Zeit.
Lass den Orgasmus für eine Weile nicht dein Handeln bestimmen. Spüre, was in deinem Körper geschieht. Wie fühlt sich die Haut deines Gegenübers an? Wie entfaltet sich die Begegnung in dir?
Entspanne deine Muskeln.
Lass alle Muskeln los, die du für deine Haltung nicht brauchst: Bauch, Beckenboden, Po, Beine, Füße, Hals, Schultern, Mund, Kiefer und auch das Zwerchfell. Wenn du merkst, dass du wieder anspannst, lass erneut los.
Antworte auf Erregung nicht mit mehr Aktion.
Wir neigen dazu, nach Erregung zu greifen: Wir bewegen uns schneller, atmen schneller und spannen an. Beobachte diese automatische Reaktion deines Körpers und kehre zu Langsamkeit und Ruhe zurück. Bleib offen.
Brauchen wir eine neue Sexualkultur?
Bewusst auf den Höhepunkt zu verzichten, ist für viele neu und für manche zunächst undenkbar. Heißer Sex ist eingeübt und macht Spaß. Wenn du dich auf das Experiment einlässt und Slow Sex eine Chance gibst, kann sich dein Erleben von Sexualität grundlegend verändern.

Geschrieben von
Maria Kehr
Conscious Sexuality Coach in München. Ich arbeite mit Sexological Bodywork, Somatic Experiencing und Tantra und unterrichte in der Weiterbildung Sexualberatung am spt-Institut und an der TU München.
Slow Sex als Paar
Gemeinsam langsamer werden.
Im Slow Sex Coaching begleite ich euch über mehrere Sitzungen, und ihr übt dazwischen zu Hause. Für einen intensiven Tag nur für euch beide gibt es den Exklusiven Paarworkshop.
