
Berührung ist nicht gleich Berührung
Sinnliche Berührung kann sehr unterschiedlich sein, und genauso unterschiedlich ist ihre Wirkung. In meinem Artikel Wie bedeutend ist sinnliche Berührung? beschreibe ich, warum achtsame Berührung so wohltuend ist.
Was macht bewusste, sinnliche Berührung konkret aus, und wie lernt man sie? Hier beschreibe ich fünf Grundlagen. Ganz verstehen wirst du sie aber erst, wenn du sie erlebst und übst, zum Beispiel in einem Workshop oder im Coaching.
1. Präsenz: Energie folgt deiner Aufmerksamkeit
Man könnte meinen, die Berührung selbst sei das Wichtigste. Doch vor der Berührung kommt deine Präsenz. Schau, wo du gerade mit deinem Kopf bist.
Bist du gedanklich noch bei der Arbeit? Dann lass die Berührung lieber noch sein. Deine Anspannung überträgt sich auf den Menschen, den du berührst. Er bekommt nicht deine Gedanken mit, aber deine Anspannung macht es ihm schwer, selbst zu entspannen.
Geh mit deiner Aufmerksamkeit in die Hand oder den Körperteil, mit dem du berührst. Spür wirklich hin. Merkst du, wie sich durch deine Präsenz sofort etwas in deiner Hand verändert? Bist du auch ganz bei der Stelle, die du berührst? Energie ist dort, wo deine Aufmerksamkeit ist.
Probier es gleich an dir selbst aus: Wann wird eine Berührung zu einem Kitzeln oder unangenehm, und wann spürst du ein wohltuendes Prickeln?
2. Druck: Das Eigengewicht deiner Hand genügt
Der Druck deiner Berührung darf satt sein. Das heißt: Entspanne deine Handfläche und deine Finger vollständig, damit ein voller Kontakt entsteht.
Probier es aus: Streichle mit einer ganz entspannten Hand über deinen Arm. Wenn deine Hand wirklich locker ist, passen sich deine Finger wie von selbst der Form deines Arms an. Drück nicht zusätzlich. Das Eigengewicht deiner Hand genügt.
3. Geschwindigkeit: so langsam, dass das Gehirn folgen kann
Eine sinnliche Berührung ist so langsam, dass das Gehirn folgen und den Reiz wirklich verarbeiten kann. Bist du zu schnell, registriert es nur: Ich werde berührt. Berührst du langsam, kann es viele feine Eindrücke aufnehmen. Du wirst merken, dass sich das ganz anders anfühlt.
Langsamkeit gibt dem Menschen, den du berührst, außerdem die Möglichkeit, deiner Berührung zu vertrauen. Das Nervensystem nimmt keine Gefahr wahr, die Muskeln können entspannt bleiben, und der Körper kann sich ganz auf Sinnlichkeit einlassen.
4. Atmung: Atme entspannt in den Bauch
Atme als berührende Person tief in den Bauch. So wirst du dir deines Körpers und möglicher Anspannungen bewusst. Deine Haltung überträgt sich auf dein Gegenüber, und nur aus einem entspannten Körper heraus wirkt Berührung wirklich wohltuend. Prüfe immer wieder, ob du frei atmest oder vor Aufregung den Atem anhältst.
5. Körperhaltung: Entspanne dich
Spür in deinen Körper: Ist dein Bauch locker? Spannst du den Po an? Ziehst du die Schultern hoch? Lass alle Muskeln los, die du nicht brauchst. So entsteht bei deinem Gegenüber das Vertrauen, sich ebenfalls zu entspannen.
Wie du das üben kannst, beschreibe ich im Artikel Conscious Touch Meditation.

Geschrieben von
Maria Kehr
Conscious Sexuality Coach in München. Ich arbeite mit Sexological Bodywork, Somatic Experiencing und Tantra und unterrichte in der Weiterbildung Sexualberatung am spt-Institut und an der TU München.
Berührung erleben
Achtsame Berührung lernen.
Im Workshop The Power of Touch! übst du achtsame Berührung angeleitet und in einer Gruppe, bekleidet und in deinem Tempo. Online geht der Einstieg mit Essentials!.
