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Slow Sex und Tantra · 6 Minuten Lesezeit

Was du über Tantramassage wissen solltest

Was eine Tantramassage ist, wie sie abläuft und worauf du achten kannst.

Maria Kehr in ruhiger Stimmung

Was bedeutet „Tantramassage“?

Der Begriff „Tantramassage“ wird für ganz Verschiedenes verwendet und oft missverstanden. Grob lassen sich drei Bedeutungen unterscheiden:

Drei Bedeutungen

Erotikmassage mit Happy End
Kein Tantra. Leider verbirgt sich in der Praxis und auch in vielen Köpfen genau diese Vorstellung hinter dem Wort.

Zertifizierte Tantramassage
Die moderne Form, wie sie vom Tantramassage-Verband als Tantramassage TMV® zertifiziert wird.

Traditionelle Tantramassage
Ursprünglich ein Berührungsyoga nach alter tantrischer Philosophie.

Die alte Tradition

Die ursprüngliche tantrische Philosophie sieht den Menschen als Teil des Universums und versteht Sexualität als Teil des spirituellen Weges. Im Westen wird Tantra oft auf Sexualität reduziert, aber das muss nicht so sein. In traditionellen tantrischen Massagen geht es darum, Sexualität zu verwandeln und eine Erfahrung zu machen, die einer Meditation gleicht. Es entsteht eine tiefe Verbindung zu dir selbst, zu deinem Gegenüber und zum Kosmos, oft begleitet von einem Gefühl von Vibration und Schwingung. Es wird still in dir, und eine tiefe Zufriedenheit entsteht, die weit über das Körperliche hinausgeht.

Die moderne Tantramassage

Die Tantramassage, wie sie heute praktiziert wird, entstand im 20. Jahrhundert und geht auf den indischen Philosophen Osho zurück. Weiterentwickelt hat sie Andro Andreas Rothe, Gründer des Diamond Lotus Tantra in Berlin, der ältesten Tantraschule Europas. Michaela Riedl hat seit 1997 die meisten professionellen Tantramasseur:innen ausgebildet und die Grundlage für die heutige Ausbildung geschaffen.

Tantramassage oder Erotikmassage?

Die Grenze zwischen Tantramassage und Erotikmassage ist nicht immer leicht zu ziehen. Die Qualität einer Tantramassage hängt von beiden Seiten ab, von der gebenden und der empfangenden Person. Grundlage ist eine absichtslose Haltung. Sie braucht Zeit, um gelernt zu werden.

Auch als empfangende Person hilft es, mit dieser Haltung vertraut zu sein. Wer vor allem auf den entladenden Höhepunkt aus ist, erlebt eine Tantramassage leicht als Erotikmassage. Und wenn du belastende Erfahrungen gemacht hast, kann es sein, dass du dich nicht entspannen oder deine Grenzen nicht rechtzeitig spüren kannst, weil alles zu plötzlich, zu schnell oder zu viel ist. Dann kann das Ritual missverstanden oder sogar grenzüberschreitend erlebt werden.

Wenn du das vermeiden möchtest, lohnt es sich, das Empfangen zuerst in einem geschützten Rahmen zu üben, zum Beispiel mit Sexological Bodywork oder Somatic Experiencing. Dort übst du Absichtslosigkeit, und dein eigenes Tempo wird berücksichtigt.

Die Rolle der gebenden Person

Der Tantramassage-Verband setzt sich für Qualität und professionelle Ausbildung ein. Trotzdem ist die Haltung der gebenden Person sehr unterschiedlich. Eine stimmige Tantramassage ist absichtslos und einfühlsam.

Wie sollte eine Tantramassage sein?

Eine Tantramassage ist eine ganzheitliche Körpermassage, die mit bestimmten Energiezentren arbeitet, um sexuelle Energie zu wecken und im Körper zu verteilen. Das Ziel ist nicht der Orgasmus, sondern Entspannung und eine neue Erfahrung des eigenen Körpers. Sie kann helfen, Stress abzubauen und Hemmungen abzulegen, und kann spirituelle Elemente wie Rituale, Verehrung des Körpers und Atemübungen enthalten.

Was ist eine zertifizierte Tantramassage?

Der Berufsverband für Tantramassage hat verbindliche Ausbildungskriterien festgelegt. Nach etwa anderthalb Jahren berufsbegleitender Ausbildung erhalten Absolvent:innen den Titel „Tantramasseur:in TMV®“.

Eine zertifizierte Tantramassage ist ein sinnliches Ganzkörperritual, das den Intimbereich als natürlichen Teil des Körpers einbezieht. Zum Ablauf gehören:

  • Vorgespräch
  • Massage und rituelle Verehrung des ganzen Körpers
  • respektvolle Berührung des Intimbereichs
  • Yoni-Massage bei Frauen, Lingam-Massage bei Männern
  • begleitende Atemarbeit und Bewegungsimpulse
  • Wecken der Energie im Beckenboden
  • auf Wunsch Prostata-Massage oder Erkunden des G-Punkts
  • Zeit zum Nachspüren, Ruhe und Nachgespräch

Wie läuft eine Tantramassage ab?

Nach einem Gespräch und einer Dusche wird der ganze Körper mit warmem, duftendem Öl massiert, von Kopf bis Fuß und mit viel Aufmerksamkeit für jede Berührung. Ziel ist, Spannungen abzubauen und ein tiefes Gefühl von Entspannung und Wohlbefinden entstehen zu lassen. Danach gibt es oft Zeit, das Erlebte nachklingen zu lassen.

Die Berührungen sind sanft, zart und anders als bei einer klassischen Massage. Sie sollen die Sinne öffnen. Der ganze Körper wird berührt, auch die Genitalien. Der Orgasmus wird aber nicht angestrebt, im Mittelpunkt steht ein ganzheitliches Erleben von Sinnlichkeit. Mehr dazu in Der unverstandene Orgasmus.

Wie entsteht Ekstase?

Ekstase entsteht durch Loslassen, tiefe Entspannung und Hingabe an die Berührung. Ein festes Ziel lenkt eher davon ab, den Moment zu erleben. Eine Tantramassage gleicht einer Meditation, in der die Aufmerksamkeit ganz im eigenen Körper ist. Aus dieser Achtsamkeit können tiefe Zustände von Lust und Freude entstehen.

Tantramassage als Paar

Paare können lernen, sich gegenseitig tantrisch zu massieren und diese Berührung in ihre Intimität zu integrieren. Die Berührungen sind leicht und zart. Oft gehören Berührungsmeditationen und Atemübungen dazu, zum Beispiel die Conscious Touch Meditation.

Seminare und Ausbildung

Seminare sind ein guter Einstieg in die Welt der Tantramassage. Du bekommst Hintergrundwissen und sammelst eigene Erfahrungen. Achte auf qualifizierte Lehrende, die eine stimmige tantrische Haltung weitergeben.

Wer selbst Tantramasseur:in werden möchte, findet sehr unterschiedliche Ausbildungswege. Gute Ausbildungen gehen über Massagetechniken hinaus und behandeln auch Ethik, Kommunikation und Anatomie. Wichtig sind ein anerkanntes Zertifikat, erfahrene Lehrende und Möglichkeiten zur Weiterbildung.

Maria Kehr

Geschrieben von

Maria Kehr

Conscious Sexuality Coach in München. Ich arbeite mit Sexological Bodywork, Somatic Experiencing und Tantra und unterrichte in der Weiterbildung Sexualberatung am spt-Institut und an der TU München.

Mehr über mich

Empfangen lernen

Berührung in deinem Tempo.

In Sexological Bodywork übst du, Berührung absichtslos zu empfangen und deine Grenzen zu spüren. In meinen Workshops lernst du achtsame Berührung in der Gruppe.